Bullo River Station, Northern Territory
“Way out back” ist auf Franz Ranachers blaue Hemdtasche gestickt, und treffender läßt sich kaum beschreiben wo die “Bullo River Station” liegt: ganz weit draußen. Die längere Antwort wäre: 3000 Kilometer oder eine halbe Ewigkeit nordwestlich von Sydney, eineinhalb Flugstunden südlich von Darwin, irgendwo zwischen Victoria River, den Kimberleys und der Timor-See – eben ‘way out back’. 76 Kilometer Schotterpiste sind es vom Hof bis zur Eingangspforte, und von da aus knapp vier Stunden zum nächsten Ort. “Natürlich haben wir Nachbarn”, Franz Ranacher grinst breit und schiebt den Akubra-Hut aus der Stirn. “Wir haben sie bloß dieses Jahr noch nicht gesehen.“
Er läßt eine seiner fröhlichen Lachsalven los und greift Netz und Angelruten. “Wie sieht’s aus, essen wir heute Abend Barra?” Logisch, Barramundi ist mein Lieblingsfisch.
Ein Tag auf der Bullo River Station ist wie Outback aus dem Märchenbuch – nur in Echt und mit gutem Essen: Auf der Landebahn grasen Kängurus, in dickbauchige Flaschenbäumen quatschen rotflügelige Papageien. Es ist heiß, Flüsse mäandern durch weite Steppen und stürzen als Wasserfälle über roten Granit in kühle Felsbecken. Im Schatten der Eukalyptusbäume kauen weißgraue Rinder, Pferde recken ihre Hälse und galoppieren davon. Viehtreiber Evan zeigt uns versteckte Zeichnungen der Aborigines an einem Felsüberhang. Die hat Franz, den hier alle auf gut australisch ‘Fräähns’ rufen, beim Viehtrieb vom Helikopter aus entdeckt. Wir halten den Atem an: Für eine solche Galerie müssten wir anderswo vermutlich Eintritt zahlen und Schlange stehen, hier bestaunen wir sie mutterseelenallein. Auf dem Rückweg zur Farm ziehen meterlange Jabiru-Störche über unser Köpfe. Kühe bremsen den Wagen. Am Rand eines Tümpels riecht es nach Büffel. Alles ist groß, weit und wild.
Mit zwei schweren Barramundis kehren wir zurück zur Farm. Heute abend gibt es weder Büffel-Steak noch Rind. Koch Tom dünstet zarten, weißen Fisch, frisch aus dem Bullo River. Schließlich können nicht alle Outback-Klischees stimmen.
INFO: Besucher wohnen in einem Gästeflügel neben dem luftigen Hauptgebäude der Farm. Die Doppelzimmer haben eigene Bäder und öffnen sich zu Wiesen und Pool. In der Lodge selbst gibt es großzügige Aufenthaltsräume, gegessen wird gemeinsam am langen Holztisch auf der Terrasse oder picknickend unterwegs. Außer Ausflügen zu Wasserfällen und Aboriginal Art oder Bootstouren auf dem Fluß können Gäste, angeln, reiten und bei Farmarbeiten wie dem “cattle muster” dabei sein. (Preis ca 750 AUS $ inklusive Verpflegung und Aktivitäten. Hubschrauberausflüge und Transfers per Flugzeug extra. Dez/Jan geschlossen. Tel. 0061 8 8354 2719) © Julica Jungehülsing
Veröffentlicht zuerst in Geo Saison 11/2007
ps: gerade (Juli 2009) habe ich gesehen, dass es einen kleinen Film von den Ranachers über Bullo River Station auf youtube gibt. check it out, very sweet
Lesetipp: “Bullo: The next generation” von Marlee Ranacher, gibt’s online zum Beispiel über Abebooks. Ich hab’s sehr gerne gelesen.
… ist es eigentlich gerade in Sydney?
Die 

"Ein Jahr in Australien" ist 2007 erschienen und online, im Buchhandel sowie als ebook erhältlich. Mehr dazu
mails erreichen mich via julica.j@gmail.com