Julica in Bondi

Bondi Beach Stories – Lesen & Entdecken

if you can’t swim…

… don’t go in the water. Eigentlich eine Binsenweisheit: Wer nicht schwimmen kann bleibt draußen. Schwer zu begreifen, dass das so schwer zu begreifen ist.

Der junge Asiat, den wir vor ein paar Stunden am Südende von Bondi aus dem Wasser gezogen haben, konnte nicht schwimmen. Er trieb kopfunter mit dem Rücken nach oben im Pazifik,  vielleicht 10 Meter vom Strand entfernt. Wie lange schon? Keine Ahnung. Mein erster Surf  nach 6 Wochen, lang ersehnt nach reisebedingter Abstinenz (sorry für die lange Blogpause). Lars, Vera und ich sitzen im Sand und schwatzen, wo wir rein sollen, als plötzlich der Rücken im Rip treibt. Wir starren für Sekunden, rennen los und ziehen ihn raus. Er fühlt sich leblos an, die Augen verdreht. Aber am Strand beginnt er seinen Mageninhalt zu entleeren. Ein Glück. Vera signalisiert den Lifeguards, die kommen nach vielleicht 20 Sekunden (gefühlte 1o Minuten) und übernehmen, geben Sauerstoff. Wie in der Serie, nur in echt. Was sich anfasst wie eine Wasserleiche kommt wieder zu Bewusstsein.

Ich frage die Bekannte des Typen am Strand was passiert ist. Sie sagt: „Er wollte rumalbern, im Wasser spielen. But you know: Er kann nicht schwimmen.“ Ich werde (unnötig) wütend und lasse eine Salve los (Tenor:  „If you can’t swim don’t go in the water…. better: don’t even think about going in the water …. „)

if you can't swim, don't go in the water!

Die Lifeguards sagen den Freunden des Opfers, dass er ohne uns ertrunken wäre.
Die junge Ärztin von der Ambulanz meint, er kommt durch. Auch wenn ihm derart viel Wasser in der Lunge kaum Spass bringen wird.

Leben retten soll ja eigentlich stolz und froh machen, alias jeden Tag eine gute Tat, Mittwochs eben manchmal eine bessere. Aber ich bin eher total erledigt. Sehe immer wieder diesen leblosen Körper im Wasser. Vielleicht kommt die Freude ja später. Bis dahin schüttele ich weiter alle 10 Minuten den Kopf darüber, wie man ernsthaft in den Ozean springen kann ohne zu wissen wie man schwimmt. Natürlich direkt neben einem Schild das heisst: „gefährliche Strömung“. Schwer nachvollziebar, passiert aber fast jeden Tag in Bondi. Ich meine, ich stürz mich doch auch keine schwarze Piste runter, wenn ich noch nie auf Skiern stand… ah, müßig ich weiss.

Der erste Wellenritt nach Wochen im komplett ozeanfreien Laos (Elefanten reiten ist wirklich nicht zu vergleichen, aber auch schön) muss noch einen Tag warten. Das ist ok. Ich hoffe der junge Mann kommt durch.
PS. Heute schon Rob Branders Strömungs-Video gesehen?

6 Kommentare zu “if you can’t swim…

  1. Muschelschubserin
    April 7, 2010

    Puh.
    Ich hab mal auf einem Boot gesessen, als wir einen Hilfe rufenden Taucher entdeckt haben. Es war ein alter Mann, der von seinem Sohn im Wasser abgeschleppt wurde, er konnte aber trotzdem nicht mehr, hatte sich schon mehrmals übergeben, war leichenblass und rief per Handzeichen um Hilfe, während der Sohn abwinkte, wir sollten weiterfahren, alles sei ok. Sie waren aber noch recht weit draußen. Wir haben den Mann aus dem Wasser gezogen, dabei schluckte er immer wieder Wasser. Den Rest der Fahrt lag er mit dem Kopf auf meinem Schoß. Ich hatte Angst, dass er stirbt. Als er wieder halbwegs bei sich war, bedankte er sich bei uns und ich konnte in seinen Augen sehen, dass er sich bewusst war, dass er uns für sein Leben dankte. Das hing mir lange nach, aber erst Stunden später kam das richtig hoch und ich musste für mich völlig unerwartet plötzlich losheulen, als ich Bekannten davon erzählte.
    In Australien hab ich immer wieder von genau solchen Dingen gehört, wie es euch passiert ist. Haufenweise Nichtschwimmer ertrinken an den Stränden. Eine Freundin hat damals gesehen, wie sie jemanden aus dem Wasser holten – leider zu spät. Das war ebenfalls in Bondi. Dabei kann man wahrlich nicht behaupten, die Behörden, Lifeguards etc. würden in OZ zu wenig für die Prävention tun. ÜBERALL stehen Warnschilder, Regeln bezüglich der Flaggen etc. Schon am Flughafen in Sydney liegen kostenlose Reiseführer aus, in denen gewarnt wird und die Flaggen erklärt werden. Es ist schlichtweg nicht nachvollziehbar.
    Vielleicht sollten die Schilder mehrsprachig sein. Oder ist es wirklich Gutgläubigkeit nach dem Motto „Mir passiert schon nix“?

  2. Julica Jungehuelsing
    April 8, 2010

    ja, eigenwillige Effekte hat das für ‚Retter‘, statt sich als Held zu fühlen ist man eher geplättet. Seltsam. Aber zu deiner Frage: Ich glaube viele Leute denken einfach überhaupt nicht nach. Oder eindeutig zu wenig und zur falschen Zeit. Seit gestern bewundere ich die LIfeguards für ihren Job noch ein bisschen mehr.

  3. Pingback: bye-bye Rotgelb « JJ's Bondi Beach Bits

  4. Bernd
    November 5, 2013

    Habe mir den Blog gleich 2 mal durchgelesen, er lässt mich schaudern und erinnert mich an ein Erlebnis vor einigen Jahren in Palm Beach. Ich war im Wasser nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Mal konnte ich stehen mal nicht, da der Meeresboden sehr unebenen war. Als ich zurück zu unserem Platz schaute merkte ich, dass ich nach Süden abgedriftet war und mich in einer starken Strömungsrinne befand, die „noch“ parallel zum Strand verlief. Ich hatte einige Minuten mit Schwimmbewegungen in Richtung Strand zu kämpfen bis dann ca. 50 m weiter südlich aber glücklich und völlig erschöpft wieder festen Boden unter mir hatte. Ein Erlebnis an das immer wieder denken muss, wenn ich solche Berichte lese.

  5. Julica Jungehuelsing
    November 6, 2013

    Ja, das ist ein fieses Gefühl.
    Aber das irre ist, das die meisten Leute (die schwimmen können) versuchen, gegen die Strömung zum Ufer zu schwimmen. Was natürlich nicht klappt, da die Strömung stärker ist. Der Trick ist, sich entweder raustreiben zu lassen und dann weiter hinten – wo es tiefer ist und die Strömung aufhört – parallel zu schwimmen und mit den Wellen, ausserhalb des Rips, zurück zum Strand. Die meisten Menschen geraten durch Panik in Gefahr. Ich finde ja Rob Branders Buch http://julicainbondi.com/2010/10/06/das-buch-zum-strand/ müsste Pflichtlektüre werden, für alle die in den großen weiten Ozean springen

  6. Pingback: Vermisster in Bondi – Suche überm Meer | Julica in Bondi

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am April 7, 2010 von in Am Strand, Ein Jahr in Australien und getaggt mit , , .

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… ist es eigentlich gerade in Sydney? Die Weltzeituhr gibt Antwort!
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