Julica in Bondi

Bondi Beach Stories – Lesen & Entdecken

Bondis neue ‚Oper‘

Architekturpreise dürfte mein altes Surfclubgebäude kaum eingeheimst haben… Uge nannte es neulich gar das „hässlichste Gebäude Australiens“ – Nun, für die Hitliste wüsste ich eindeutig noch andere Favoriten, aber Geschmäcker sind zum Glück ja verschieden.

das erste Clubhaus

Zumal: Ehe der Ziegelsteinbau aus den 30ern das Topfdachbekam, hatte er schon Klasse. Der hölzerne Turm (links) etwas gewagt, aber ansonsten kompakt und praktisch. Jetzt aber bekommen Bondis nördliche Lebensretter ein neues Gebäude, denn das alte war „nicht mehr zeitgemäß“ – Und natürlich wird der olle rote Ziegelclub nicht einfach durch ein funktionelles, praktisches Clubhaus ersetzt, in dem Lifesaver ihr Livesaverzeug lagern, Erste-Hilfe-Koffer packen, Boards flicken und abends beim kalten Getränk die Heldentaten des Tages besprechen.

Nein, wir sind schließlich im Glamour-Bondi Anno 2012, daher muss ein „icon“ her – ein Wahrzeichen. Clubhaus kann jeder, Nordbondi braucht ein päng-krach-bling-Statement. Für schlappe 7 Millionen Dollar. Vereinsinterne Marketingexperten nennen den Neubau schon das „Opernhaus von Bondi Beach“. Wirkt das noch nicht pompös genug, wird es als „Sydneys aufregendstes neues Gebäude seit Fertigstellung vom Opernhaus“ (und das war immerhin 1973!) angekündigt.

das alte Gebäude

Bislang gibt es ein schönes, großes Loch (Bild oben) an der Promenade, da wo früher das Clubhaus (Bild rechts) stand. Das Retterei-Zubehör ist unterdessen in ein paar handlichen Containern untergebracht, und getrunken wird eineinhalb Saisons lang jetzt eben weniger oder anderswo. Dafür hat in North Bondi so recht eh keiner mehr Geld… denn das fehlt noch: Spenden sammeln spenden sammeln spenden sammeln ist  am Nordende des Strandes für einige fast ebenso wichtig geworden wie auf Schwimmer aufzupassen. Denn sogar im wohlbetuchten 2026 sind 7 Millionen kein Pappenstil. Staat, Gemeinde und Land mussten ebenso in die Tasche greifen wie die Mitglieder selbst. Noch fehlt glaube ich gut eine schlappe Million. Um die zusammenzubringen ist (fast) jede Idee willkommen. So können Mitglieder zum Beispiel eine Kachel spendieren (2000 Dollar), auf der dann ihr Name steht und die dann später den Eingang ziert. Oder man kann nächste Woche für 300 Dollar mit Hugh Jackman zu Abend essen (sorry, ausverkauft). Und jede Wurst, die Spaziergänger auf der Promenade kaufen, kommt irgendwie auch dem neuen Wahrzeichen zugute. Ach genau, zur zukünftigen Legende selbst: Das Architekturbüro Durbach Block hat für den Club ein weiß leuchtendes Gebäude entworfen, das Fans im Stadtteil bereits als „modern Art Déco“ loben. Das kann ich jetzt weniger nachvollziehen, obgleich ich Durbach Blocks andere Projekte oft wirklich spannend finde, aber nun, noch ist es ja nicht fertig.

Wer neugierig ist, macht via youtube schon mal einen virtuellen Rundgang und sich somit selbst ein Bild. Mir wirkt es für einen Surfclub ein bisschen zu glossy und glamourös.

Trophäen, die keiner mehr bekommt…

Zwischen Bondi’s pastellbunten Fassadenmix hätte ich mir etwas, hm, sagen wir weniger Effekthaschendes interessanter vorstellen können. Ich finde auch 7 Millionen sind ziemlich viele Münzen für ein paar Duschen, Surfboards, ein Büro und  eine Bierzapfanlage.

But guess what…  mich hat mal wieder niemand konsultiert.

3 Kommentare zu “Bondis neue ‚Oper‘

  1. Peter A. Bruns
    Oktober 9, 2012

    Moin auch Julica, PAB mal wieder in der Leitung! Wie immer sind Deine Kommentare ja mit spitzer Feder verfasst, was ich an ihnen mag. Boni hat ja für mich for old times sake, wie Du weisst, eine besondere Bedeutung.
    The first cut is ther deepest. Was nun das Clubhaus betrifft, so haben sich die Architekten das „Bauhaus“ zum Vorbild genommen, es aber ein wenig „verkitscht“. Für mich sieht es so aus, wie die große „moderne Villa-Protzo“ eines russischen Multimillionärs, oder ähnlich der modernistischen Villa von Georgiens Milliardär und georgischen Wahlsieger Bidzina Iwanischwili. Im Grunde ein angestrengt modernistischer Bau, der überall auf der Welt stehen könnte und vor dem man steht, schaut und gähnend sagt: „Schön!“

    Aber ich bin ein „Kulturbanause“, denn ähnlich denke ich auch von unserer Elbphilharmonie, diesem… Schwamm drüber. Heute wird ja gern „schief und krumm“ gebaut, das finden moderne Architekten „fortschrittlich“. Gerne wäre ich einst selbst Architekt geworden. Björn Utzon habe ich auch gemocht.

    Nur, Form Follows Function – Ein allzu oft missverstandener Gestaltungsleitsatz … Über Adolf Loos, den Deutschen Werkbund hin zum Bauhaus … die Architekten des 21. Jahrhunderts haben nicht gelernt, was unter diesem aspekt Kreativität bedeutet. Mein Sermon ist länger geworden…Pardon me Julica, bei manchen Themen kann ich die Tinte nicht halten. No-Bull! Tschüss, bis demnächst.
    Peter

  2. sandra
    Oktober 9, 2012

    ich find ja, das neue clubhaus sieht bisschen steril aus und dabei leider doch nicht sooo besonders. das alte fand ich jetzt nicht so super hässlich, auch wenn es mich gerade mit dem dach an den stil der 80ger, 90ger in den neubausiedlungen am großstadtrand erinnert.
    dir eine gute woche und fleißiges sammeln ;)

  3. Pingback: (North) Bondi baut | JJ's Bondi Beach Blitz

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Oktober 9, 2012 von in Am Strand, Geschmackssachen, insight Australia und getaggt mit , , , , , .

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